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Die Mechanik des Herzens: Roman

Die Mechanik des Herzens - Mathias Malzieu, Sonja Finck Erster Satz: Erstens: Rühre deine Zeiger nicht an! Zweitens: Zügle deinen Zorn! Drittens: Verschenke niemals dein Herz - an niemanden! Denn sonst wird der Stundenzeiger deiner Uhr sich dir durch die Haut bohren, deine Knochen werden bersten, und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen. Inhalt: Jack hat ein schweres Los gezogen. Kurz nach seiner Geburt musste ihm ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr neues Leben einhauchen. Seitdem muss die Uhr jeden Tag neu aufgezogen werden, damit er jeden weiteren Tag erleben kann. Die schrullige Madeleine umsorgt ihn und hält ihn von jeglichem Einfluss von außen fern. Doch wie jedes andere Kind, möchte auch Jack mehr entdecken. Ihm begegnet die hübsche Flamencotänzerin mit der süßlichen Stimme und das Bild von ihr lässt ihn nicht mehr los. Aber das geschenkte Herz birgt auch große Verantwortung. Jack darf sich niemals verlieben. Entgegen der Regeln seiner fürsorglichen Madeleine begibt er sich auf die Suche nach seiner jungen Tänzerin und somit in große Gefahren. Auf einmal muss er vor der Polizei fliehen und sieht sich unversehens in Andalusien wieder, dem Ort, wo er seine Traumfrau wähnt. Jacks Herz spielt wie erwartet verrückt und je mehr er sich seiner Liebe nähert, desto mehr scheint es seine hölzerne Uhr in Stücke zu zerreißen. Er muss kämpfen. Doch trägt dieser Kampf um die Liebe einen Sinn in sich? Meine Meinung: Das Buch war mir von vornherein schon vom Cover sehr sympathisch. Der Zeichenstrich erinnert mich sehr an die Figuren aus "Corpse Bride" oder "Nightmare before Christmas" - beides Filme des Regisseurs Tim Burton. Als mich dann die Information vom Verlag erreichte, dass auch die Ideen zur Geschichte den Werken von Tim Burton nahe kommen würden, war ich gänzlich entzückt. Fast wollte ich das Buch schon gar nicht anrühren - aus Angst, es könnte mich doch noch enttäuschen. Ich bin sehr froh, dass ich diese wenigen Seiten noch zur Hand genommen habe, denn ich war schon von Angebinn der Story überwältigt. Meine Euphorie hielt sich hartnäckig und bis auf die aller letzte Seite konnte ich von den schwarzen Buchstaben nicht aufschauen. Allein das Grundgerüst der Handlung konnte mich immer wieder überraschen, hinzu kamen noch die vielen einzelnen Spannungsbögen und kleinen Abenteuer, die Jack fast nur unbewusst erlebt. Dass unser "Held" beim Beginn seiner Suche nach der Liebe seines Lebens erst knappe 11 Jahre alt ist, dürfte jeden verwundern. Dabei kann er hier schon mit einem riesigen Herz und viel Verstand aufwarten. Von da an entwickelt sich Jack stetig weiter, solange wie sein Herz die Zahnräder weiter ineinander greifen lässt. Auch die anderen Figuren strotzen nur so vor eigensinnigem Charakter und sprühendem Leben. Sie alle haben eine Besonderheit, erst zum Vorschein kommt, wenn sich der Leser die Mühe macht, hinter die Zeilen der grob gestrickten Geschichte zu blicken. Madeleine ist nicht nur Jacks besorgte Adoptivmutter .. am Ende des Buches eröffnet sich dem Leser ihr schreckliches Geheimnis, mit dem ich wahrlich niemals gerechnet hätte. Ich kann ihr Tun nachvollziehen, aber ich würde behaupten, dass ich anders gehandelt hätte, allein schon, weil ich auf mein Herz hätte hören wollen. So bleibt also auch sie eine Figur, die bis zm Schluss hin unergründlich ist. In ihren Charakterzügen ähnelt sie dem guten Mèliés, der Jack auf seiner Reise nach Andalusien begleitet. Beide sind verliebt in ihren eigenen sturen Kopf und Erfindergeist und wundern sich, wieso sie ewig allein geblieben sind. Beiden schenkt Jack etwas, das mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen ist. Im Vordergrund steht natürlich die betörende Miss Acacia. Durch ihre unschuldige und eigensinnige Art, wirkt sie schwierig zu erobern. Auch der Antagonist fehlt nicht, dem Jack am Ende mehr Verständnis abgewinnen kann, als jedem anderem seiner Freunde und Bekannten, So detailreich geschmückte Charaktere erblickt man selten. Daher war es mir möglich, sehr oft die Entwicklung der Handlungsstränge auf meine eigenen Erfahrungen zu reflektieren. Gemeinsam mit Jack ging ich durch alle Höhen und Tiefen. Ich empfand seinen Wunsch nach Anerkennung nach, wollte mit ihm zusammen zurück geliebt werden, ich war wütend und ärgerlich über den Erzeuger unserer brennenden Eifersucht. Ich kam nicht umhin Jack eine Schulter zum Trösten anzubieten, nur um wenige Seiten später vom nächsten Schicksalsschlag selbst so betroffen zu sein, alsdass es mir selbst die Kehle zuschnürte. Zwar verwebt Malzieu wundersame und märchenhafte Elemente mit der harten Wirklichkeit, aber es bleibt in jedem noch so kleinen Satz ein wahrer Kern, der mich jedes Mal aufs Neue und auf eine andere Art und Weise berührt hat. Sämtliche Figuren konnten mein Leserherz mit ihrem unerschütterlichem Glauben an die Liebe, das Glück und ein gutes Ende für sich gewinnen. Seite 147 >> Warum ist es nur so schwer, dafür zu sorgen, dass der Mensch, den man über alles liebt, bei einem bleibt? Miss Acacia ist nicht knausrig, sie gibt mir alles. Ich gebe auch, aber trotzdem kommt bei ihr weniger an. Aber ich lasse den magischen Zug meines Lebens, den Zug, dessen Lokomotive brennende Rosen spuckt, nicht kampflos entgleisen. Ich werde Miss Acacia heute Abend erklären, dass ich bereit bin, mich für sie zu ändern und alles zu tun, was sie will. Hauptsache, sie liebt mich. Dann wird alles wieder gut.