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Die Jimmy

Am Meer ist es wärmer: Eine Liebesgeschichte

Am Meer ist es wärmer - Hiromi Kawakami, Nina Petri, Kikimo Nakayama-Ziegler Erster Satz: Jemand folgte mir. Inhalt: Vor 13 Jahre verschwand Keis Mann spurlos. Den letzten Hinweis, den sie finden kann, ist die Notiz "Manazuru" in seinem Tagebuch. Manazuru ist ein kleines Fischerdörfchen, zwei Bahnstunden von Tokio entfernt. Dort begibt sie sich auf die Antwortsuche auf Fragen, die sie seitdem Verschwinden quälen. Kei begegnet einer mysteriösen Frau, die mehr zu wissen scheint, und entfernt sich dabei immer mehr von der Wirklichkeit. Meine Meinung: Von Kawakami habe ich vor einiger Zeit den Roman "Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß" sehr gerne gelesen. Daher war mir der sanfte Schreibstil der Autorin bereits vertraut. Nun wurde ich wieder an einen ruhigen Ort auf den fernöstlichen Inseln versetzt, wo in mir jedes Zeitgefühl ausgelöscht wurde. Eine passende Szenerie wird bereits auf dem Cover angedeutet. Eine junge Frau flieht mit ihrem grellgelben Papierschirm vor den nassen Regentropfen - in Zeitlupe bewegt sie sich voran. Ich nackten Arme und Beine werden nass gespritzt. Vielleicht trifft ihr Blick gerade auf den eines anderen. Die Momentaufnahme will keine Nähe zulassen. Wir Betrachter werden abgeschirmt, im wahrsten Sinne des Wortes. Das lässt gleichzeitig Neugierde und Interesse aufkommen. Hat sie etwas zu verbergen? ... Ich liebe Umschlaggestaltungen, aus denen man soviel heraus interpretieren kann. Dies ist hier möglich. Ebenso bei der dazugehörigen Geschichte. Bei Hiromi Kawakami verschwimmen Phantasie und Wirklichkeit. Der grenzenlose Übergang eröffnet andere Möglichkeiten und so wird daraus ein neues Gebilde. Eine Welt in der die junge Kei herum spaziert und nicht weiß woran sie ist. Ihre Gefühlswelt steht im Mittelpunkt, während immer wieder die unterschiedlichsten Gedanken durcheinander gewirbelt werden. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass eine Passage dort nicht hingepasst hätte. Die japanische Autorin weiß, geschickt verschiedene Elemente aneinander zu fügen und so eben auch die teils widersprüchlichen Ideen ihrer Protagonistin. Der Geschichte haften streckenweise sehr phantastische Züge an, die sich auf elegante Weise mit der Trauer der Hauptfigur ergänzen. So ist bei Kei anfangs eine tragische Resignation zu spüren. Sie hat keine Kraft mehr, nach ihrem Mann zu suchen. Viel einfacher ist es, sich bei einem anderen Trost zu suchen. Und solch jemand anderen hat sie schnell gefunden. Aber ist es der richtige Weg für Kei? Sicher nicht. Im Laufe der Geschichte muss sie sich dies selbst auch eingestehen. Der Verlust ihres Mannes nagt noch weiterhin an ihr wie ein Glückseligkeit fressender Traum. Und trotz dieser Unschlüssigkeit und Sinneswandlung wirkt sie auf mich wie eine starke Person. Sie hat Mut und folgt spontan ihrem Instinkt. Der leitet sie und hilft ihr weiter. Ich fand es sehr spannend Keis Erzählung zu verfolgen. Sie weiß ganz genau, dass sich die Welt nicht nur um sie dreht. Daher werden auch der kleinen Tochter Momo und der eigenen alten Mutter wichtige Passagen zugeteilt. Da der Roman nicht nur auf die junge Frau fokussiert ist, kann "Am Meer ist es wärmer" auch ein tolles Leseabenteuer für die Männerwelt sein. Schließlich spielt auch ein Mann eine der Hauptrollen, wenn auch eher als unsichtbarer Gast. Dennoch schreibt Kwakami aus der ich-Perspektive, dass sollte erwähnt sein. In letzter Zeit lese ich sehr viele Bücher, die aus diesem Blickwinkel beschreiben und erzählen. Aber nur wenige Romane kommen vom Niveau her an diese Glaubwürdigkeit heran. Ich konnte mich sehr gut mit Keis Charakter identifizieren; sie war mir sympathisch und ich sah Logik - wenn auch etwas verschrobene - in ihren Handlungen. Dies ist mir immer sehr wichtig. Denn wenn mir das Verhalten einer Figur als unpassend oder unüberlegt erscheint, habe ich meist gleich viel weniger Gefallen an dem gesamten Kontext. Solch ein Deatil wertet für mich ein Buch schnell ab - das konnte die Autorin hier verhindern. Seite 91 >> In jedem Fall waren die, die zurück gelassen wurden, zu bedauern. Aber wer ist bedauernswerter - der, der fortgeht, oder der, der zurückbleibt?, fragte die Frau. Darüber will ich nicht nachdenken, erwiderte ich brüsk, und sie verschwand sogleich im Meer. Ihre Beine wirkten sehr weiß.

Pampa Blues

Pampa Blues - Rolf Lappert Erster Satz: ICH HASSE MEIN LEBEN. Inhalt: Der Traum vom großen Reißausnehmen schlummert schon lange im 16jährigen Ben. Er sitzt in einem verschlafenem Dorf fest und sorgt sich um seinen debilen Großvater. Während seine glamouröse Mutter durch Europa tourt, weiß er noch nicht mal, wie es sich anfühlt, ein Mädchen zu küssen. Um ein wenig frischen Wind in das kleine Örtchen zu bringe, entschließt sich Bens bester Freund Manlow zur Umsetzung seiner schlechtesten Idee überhaupt. Er möchte Gerüchte über ein UFO ins Land streuen, damit die Presse ihm hilft, das Dorf aufregender wirken zu lassen. Als dann tatsächlich das Mädchen Lena von der Zeitung auftaucht, wissen die Anwohner nicht mehr was sie glauben sollen. Die Presse eilt auf einmal einem Mordverdächtigen hinterher und Ben merkt: Er hat sich verliebt. Meine Meinung: Das Buch kommt unscheinbar daher, aber für mich ist dieses wirklich das Cover Highlight des Jahres 2012! Es ist natürlich und kommt ohne viel Photoshop aus. Es wirkt für sich ohne Glitzer, überlagerte Bilder oder ineinanderverschlungende Schriftzüge. Obendrein ist es ein sehr witziges Motiv: eine alte Zapfanlage einer Tankstelle - mitten im Nirgendwo. Und genau dort spielt auch die Geschichte natürlich hat da auch eine Tankstelle seinen Auftritt. Das Foto sieht also nicht nur toll ländlich aus, sondern passt auch perfekt zum Inhalt des Romans, was den Verlagen in letzter Zeit nicht mehr viel Wert zu sein scheint.. Veredelt wird die ansehnliche Gestaltung noch vom breiten Rahmen, der ebenso schlicht schwarz gehalten wurde wie die Lettern, in denen Titel und Autor abgedruckt wurden. Für mich stimmt hier einfach alles und das beste, es ist mal kein 0815 Verschnitt. Auch die Geschichte ist etwas außergewöhnlicheren Kalibers. Langsam lernt man den Hauptprotagonisten Benjamin kennen und erwährt nach und nach seine Einstellung zum Leben und seine Probleme. Ich hätte nur ungern mit ihm getauscht. Wer will schon im jugendlichen Alter für seinen uralten und senilen Großvater verantwortlich sein, ohne Taschengeld, ohne Freizeit und ohne Freunde. Das macht sicher keinen Spaß. Deswegen konnte ich Bens Wunsch, nach Afrika auszuwandern, so wie es einst sein Vater getan hatte, sehr gut nachvollziehen. Seine Träume und Sorgen werden von ihm selbst so ehrlich und nackt erzählt, dass ich mich schon peinlich berührt fühlte. Dieser Junge gibt so viel, da kann man es ihm nicht verübeln, am liebsten woanders zu sein, oder? Spannend empfand ich auch die Entwicklung, die Ben durchlebt. Bereits zu Beginn wirkt er viel älter und reifer als man es bei einem 16jährigen für möglich halten könnte. Doch fehlende Klassenkameraden, Partyräusche und das Hinwegsetzen über elterliche Regeln haben aus ihm einen verantworungsbewussten, jungen Mann gemacht. Ich habe ihn mit der Zeit wirklich in mein Herz geschlossen. Wie in einem Blues spürt man bereits von der ersten Seite an die tragische Komponente. Nicht nur, dass Ben sich in ein anderes Leben wünscht. Er muss ohne Eltern auskommen. Zwar wird dem Leser diese Information nicht zurück gehalten, aber man verweilt auch nicht lange an diesem traurigen Wendepunkt in Bens Leben. Die Erwähnung scheint genug, es gibt anderes, worüber man sich Sorgen machen muss - so wirkt Benjamin. Im Gegensatz zu vielen anderen Jugendromanen haben wir hier keinen zu sehr selbstbemitleidenden Jungen sitzen, der an allem rumnörgelt und zutiefst naiv ist. Endlich habe ich meinen Helden gefunden, mit dem es Spaß macht, den abenteuerlichen Geschichten Betrunkener zu lauschen oder Luftschlösser in den Himmel zu bauen. Seite 61 Ich erwische mich wieder bei dem Gedanken, dass es mir nicht viel ausmachen würde, wenn sie mit mitteilen würde, Karl sei krank und müsse bald sterben. Ich hasse mich dafür und wünschte, ich würde anders ticken. So sehr mich die Erzählung auch berührte .. leider passierte einfach nichts. Es blieb bei dem einsamen Jungen am Ende der Welt, um ihn herum viele alte Menschen. Erst nach etwa 100 Seiten scheint die Geschichte Fahrt aufzunehmen, plötzlich kommt Bewegung in die Gesellschaft. Denn bislang diente das Gewort nur dazu, um einem die Figuren vorzustellen. Die Eigenheiten der verschiedenen Dorfbewohner wurden in kleinen Szenen liebevoll und detailreich präsentiert. Nun brennen einem die Charakterzüge im Kopf und man kann frei dem weiteren Verlauf des Romans folgen, ohne sich in jedem dritten Satz fragen zu müssen, wer jetzt noch einmal Otto und wer dieser liebeskranke Jojo war. Das macht viel aus und kitzelt auch hier einen Bonuspunkt für das Buch aus mir heraus. Doch die Taktik allein macht die angenehme Atmosphäre, in der die Protagonisten schweben, nicht aus. Ein entscheidender Faktor ist auch die Schreibe. Dieses Detail ließ micha auch die anfängliche Durststrecke überstehen, denn sie war durch den flüssigen Text nur von kurzer Weile. Nachdem endlich etwas Spannung aufkommt, entwickelt sich der bislang sehr erwachsene Roman in ein regelrechtes Feuerwerk aus jugendlichen Emotionen, kindlicher Zurückhaltung und sprudelnder Neugierde! Lappert bietet nun mit dem auf, was aus seiner einfachen Idee ein Jugendbuch werden lässt. Er erzählt vom Erwachsenwerden, vom ersten Kuss und dem unwiderstehlichem Traum, einfach abzuhauen - weit weg! Da ich glaube, dass diese Geschichte dennoch eher die ältere Generation ansprechen wird, möchte ich es ein gelungenes jugendliches Erwachsenenbuch nennen. Lest es und fühlt euch noch einmal wie 16! Mein Fazit: Die Frische und Freiheit, der Mut zu träumen und darum zu kämpfen werden zwischend den Buchseiten verborgen gehalten. ~ 4 Sterne ~ papierkruemel.blogspot.com

Wir beide, irgendwann

Wir beide, irgendwann (Gebunden) - Jay Asher, Carolyn Mackler, Knut Krüger Erster Satz: Ich kann heute nicht mit Graham Schluss machen, obwohl ich meinen Freunden angekündigt habe, dass ich es bei nächster Gelegenheit tun würde. Inhalt: Emma und Josh waren mal die besten Freunde. Doch nachdem Josh die Zeichen falsch gedeutet und seinen Mut lieber mal für ein anderes Mädchen aufgehoben hätte, sind sie sehr distanziert. Das war vor fast sechs Monaten. Nun steht Josh bei Emma mit einer Werbe CD-Rom vor der Tür, die Zugang zum Internet verspricht. Doch plötzlich eröffnet sie Emma eine ganz neue Welt: Facebook erscheint auf ihrem Bildschirm. Was soll das sein? Ein schlechter Scherz? Abgebeildet sind Fotos von ihr in etwa 15 Jahren. Viele Freunde sind verlinkt und auch über Josh gibt es Infos aus der Zukunft. Doch Emma scheint ein Leben zu blühen, mit dem sie nicht so ganz einverstanden ist. Ihr zukünftiger Ehemann passt ihr nicht, die Arbeit fehlt und das Geld droht auch zu fehlen. Josh hingegen steht ein rosiges Zusammensein mit der heiß umschwärmten High School Schönheit Sydney bevor. Gemeinsam stellen sie die Gegenwart auf den Kopf und bringen sich und ihre Zukunft in Gefahr. Meine Meinung: Wie einige andere Glückliche bekam ich den neuen Roman von Jay Asher schon im Mai zugesandt. Umso spannender war es natürlich, das Buch in Händen zu halten - schließlich gehörte man zu einer kleinen Gruppe Auserwählter. Fairerweise möchte ich hier schon hervorheben, dass dieses tolle Buch nicht nur Ashers Verdienst ist. Da er der gefeierte Bestsellerautor ist, wird mit seinem Namen Werbung gemacht. Doch ich denke, dass die Mitarbeit von Carolyn Mackler entscheidend für das Ergebnis war. Zwar habe ich zuvor noch nie was von ihren Kurzgeschichten gehört, geschweige denn gelesen, aber wer "Tote Mädchen lügen nicht" gelesen hat, merkt schnell, dass hier noch ein anderer Stil mit einfließt. Gemeinsam haben die beiden etwas wirklich Neues geschaffen. Das wird heutzutage immer schwieriger, wo alle interessanten Themen bereits ausgeschlachtet scheinen. Aber zwei kreative Köpfe steckten ihr Können zusammen und produzierten hier ein Jugendbuch, das es wert ist gelesen zu werden. Welcher Jugendliche kommt heutzutage noch ohne Facebook aus? Überall begegnet uns dieses kleine blau Logo. Ob nun auf jedem neuen iPhone, im 2010 erschienen Kinohit, in allerlei Werbungen des Fernsehens oder ganz simpel bei McDonalds um die Ecke... Eine Welt ohne Facbook kann man sich weder in Deutschland, noch in Amerika irgendwie vorstellen. Hier wurde das Pferd von hinten aufgezeumt. Wir tauchen in eine Zeit ein, in der es das 'social network' noch nicht gab. Emma und Josh entdecken jedoch verrückterweise die Profile ihrer 15 Jahre älteren Ichs. Anfangs nimmt er Emma die Geschichte nicht ganz ab. Sowieso ist es ihm mehr wert, sich wieder in Emmas Nähe befinden zu können, als irgendein doofes Internetprogramm. Doch die ist total auf Facebook fixiert, nachdem sie merkt, dass kleine Veränderung der Gegenwart sämtliche Statusmeldungen auf Facebook verändern können. Also beginnt sie ihr späteres Leben so hinzubiegen, dass es ihr in den Kram passt. Nur irgendwie scheint alles blöd zu laufen. Seite 283 >> Mir kam der Verdacht, dass ich Facebook die ganze Zeit falsch benutzt habe. Man hat nicht automatisch die Kontrolle darüber. Es geht darum, zu lernen, die Kontrolle über die Zukunft zu übernehmen, indem man die Möglichkeiten nutzt, die einem zur Verfügung stehen.

Die Mechanik des Herzens: Roman

Die Mechanik des Herzens - Mathias Malzieu, Sonja Finck Erster Satz: Erstens: Rühre deine Zeiger nicht an! Zweitens: Zügle deinen Zorn! Drittens: Verschenke niemals dein Herz - an niemanden! Denn sonst wird der Stundenzeiger deiner Uhr sich dir durch die Haut bohren, deine Knochen werden bersten, und die Mechanik deines Herzens wird für immer stillstehen. Inhalt: Jack hat ein schweres Los gezogen. Kurz nach seiner Geburt musste ihm ein mechanisches Herz in Form einer Kuckucksuhr neues Leben einhauchen. Seitdem muss die Uhr jeden Tag neu aufgezogen werden, damit er jeden weiteren Tag erleben kann. Die schrullige Madeleine umsorgt ihn und hält ihn von jeglichem Einfluss von außen fern. Doch wie jedes andere Kind, möchte auch Jack mehr entdecken. Ihm begegnet die hübsche Flamencotänzerin mit der süßlichen Stimme und das Bild von ihr lässt ihn nicht mehr los. Aber das geschenkte Herz birgt auch große Verantwortung. Jack darf sich niemals verlieben. Entgegen der Regeln seiner fürsorglichen Madeleine begibt er sich auf die Suche nach seiner jungen Tänzerin und somit in große Gefahren. Auf einmal muss er vor der Polizei fliehen und sieht sich unversehens in Andalusien wieder, dem Ort, wo er seine Traumfrau wähnt. Jacks Herz spielt wie erwartet verrückt und je mehr er sich seiner Liebe nähert, desto mehr scheint es seine hölzerne Uhr in Stücke zu zerreißen. Er muss kämpfen. Doch trägt dieser Kampf um die Liebe einen Sinn in sich? Meine Meinung: Das Buch war mir von vornherein schon vom Cover sehr sympathisch. Der Zeichenstrich erinnert mich sehr an die Figuren aus "Corpse Bride" oder "Nightmare before Christmas" - beides Filme des Regisseurs Tim Burton. Als mich dann die Information vom Verlag erreichte, dass auch die Ideen zur Geschichte den Werken von Tim Burton nahe kommen würden, war ich gänzlich entzückt. Fast wollte ich das Buch schon gar nicht anrühren - aus Angst, es könnte mich doch noch enttäuschen. Ich bin sehr froh, dass ich diese wenigen Seiten noch zur Hand genommen habe, denn ich war schon von Angebinn der Story überwältigt. Meine Euphorie hielt sich hartnäckig und bis auf die aller letzte Seite konnte ich von den schwarzen Buchstaben nicht aufschauen. Allein das Grundgerüst der Handlung konnte mich immer wieder überraschen, hinzu kamen noch die vielen einzelnen Spannungsbögen und kleinen Abenteuer, die Jack fast nur unbewusst erlebt. Dass unser "Held" beim Beginn seiner Suche nach der Liebe seines Lebens erst knappe 11 Jahre alt ist, dürfte jeden verwundern. Dabei kann er hier schon mit einem riesigen Herz und viel Verstand aufwarten. Von da an entwickelt sich Jack stetig weiter, solange wie sein Herz die Zahnräder weiter ineinander greifen lässt. Auch die anderen Figuren strotzen nur so vor eigensinnigem Charakter und sprühendem Leben. Sie alle haben eine Besonderheit, erst zum Vorschein kommt, wenn sich der Leser die Mühe macht, hinter die Zeilen der grob gestrickten Geschichte zu blicken. Madeleine ist nicht nur Jacks besorgte Adoptivmutter .. am Ende des Buches eröffnet sich dem Leser ihr schreckliches Geheimnis, mit dem ich wahrlich niemals gerechnet hätte. Ich kann ihr Tun nachvollziehen, aber ich würde behaupten, dass ich anders gehandelt hätte, allein schon, weil ich auf mein Herz hätte hören wollen. So bleibt also auch sie eine Figur, die bis zm Schluss hin unergründlich ist. In ihren Charakterzügen ähnelt sie dem guten Mèliés, der Jack auf seiner Reise nach Andalusien begleitet. Beide sind verliebt in ihren eigenen sturen Kopf und Erfindergeist und wundern sich, wieso sie ewig allein geblieben sind. Beiden schenkt Jack etwas, das mit keinem Gold der Welt aufzuwiegen ist. Im Vordergrund steht natürlich die betörende Miss Acacia. Durch ihre unschuldige und eigensinnige Art, wirkt sie schwierig zu erobern. Auch der Antagonist fehlt nicht, dem Jack am Ende mehr Verständnis abgewinnen kann, als jedem anderem seiner Freunde und Bekannten, So detailreich geschmückte Charaktere erblickt man selten. Daher war es mir möglich, sehr oft die Entwicklung der Handlungsstränge auf meine eigenen Erfahrungen zu reflektieren. Gemeinsam mit Jack ging ich durch alle Höhen und Tiefen. Ich empfand seinen Wunsch nach Anerkennung nach, wollte mit ihm zusammen zurück geliebt werden, ich war wütend und ärgerlich über den Erzeuger unserer brennenden Eifersucht. Ich kam nicht umhin Jack eine Schulter zum Trösten anzubieten, nur um wenige Seiten später vom nächsten Schicksalsschlag selbst so betroffen zu sein, alsdass es mir selbst die Kehle zuschnürte. Zwar verwebt Malzieu wundersame und märchenhafte Elemente mit der harten Wirklichkeit, aber es bleibt in jedem noch so kleinen Satz ein wahrer Kern, der mich jedes Mal aufs Neue und auf eine andere Art und Weise berührt hat. Sämtliche Figuren konnten mein Leserherz mit ihrem unerschütterlichem Glauben an die Liebe, das Glück und ein gutes Ende für sich gewinnen. Seite 147 >> Warum ist es nur so schwer, dafür zu sorgen, dass der Mensch, den man über alles liebt, bei einem bleibt? Miss Acacia ist nicht knausrig, sie gibt mir alles. Ich gebe auch, aber trotzdem kommt bei ihr weniger an. Aber ich lasse den magischen Zug meines Lebens, den Zug, dessen Lokomotive brennende Rosen spuckt, nicht kampflos entgleisen. Ich werde Miss Acacia heute Abend erklären, dass ich bereit bin, mich für sie zu ändern und alles zu tun, was sie will. Hauptsache, sie liebt mich. Dann wird alles wieder gut.

Ich gegen dich: Roman

Ich gegen dich: Roman - Jenny Downham Erster Satz: >> Mikey konnte es nicht fassen. > Sie schloss die Augen, versuchte, zu ihrer Wut zurückzufinden. Sie wollte sich an etwas festhalten können.

Hannes: Roman

Hannes - Rita Falk Erster Satz: Heute ist der Jahrestag. Inhalt: Uli verliert seinen besten Freund Hannes bei einem Motorrad Unfall. Die beiden, die zuvor alles in ihrem Leben gemeinsam gemeistert haben, müssen nun ohne einander auskommen. Lediglich die täglichen Besuche im Krankenhaus haben sie noch. Doch egal, was Uli seinem Hannes erzählt, er reagiert nicht. Und er scheint auch nicht alsbald aus seinem Koma zu erwachen. Also beschließt Uli Briefe zu schreiben. Damit Hannes, wenn er wieder da ist, nachlesen kann, was so alles um ihn herum passiert ist... Uli schreibt und schreibt. Er hat keine Geheimnisse, die hatten sie nie. Selbst als heikle Situationen und Themen aufkommen, als es um Hannes Eltern und sogar Hannes Freundin geht, hält sich Uli nicht zurück und steht nicht nur seinem Freund beiseite sondern schreibt ihm auch alles nieder. Meine Buchgeschichte: Ich las die letzten Seiten noch auf dem Weg zu meinen Eltern. Wir waren verabredet, doch ich konnte es nicht beiseite legen. Und zudem musste ich meiner Mutter unbedingt einen neuen Buchtipp mitgeben. Sie ist bereits ebenso in die Geschichte versunken. Meine Meinung: Ich brauchte nur ganz wenige Stunden, um dieses wundervolle Buch auszulesen. Und auch nur ganz wenige Zeilen, um mitten im Geschehen anzukommen. Es gab praktisch keine Schwelle, die ich dieses Mal überschreiten musste, um in das fremde Land eintauchen und mich dem Lauf der Geschichte frei hingeben zu können. Ich fühlte mich sofort geborgen und freundlich aufgenommen in dem neuen Kreis aus Menschen und Orten. Das lag auch daran, dass die Charaktere nicht nur alle sehr realistisch gezeichnet waren, sondern ich mit jedem auf eine eigene Art und Weise mitfühlen und auch mitleiden konnte. Ich verstand auf einmal die Wut des Vaters, die sture Blindheit der Mutter, die Hoffnung von Uli und die Verzweiflung von Nele. Jeder empfand anders und für sich selbst ganz besonders. Doch Rita Falk schaffte es mit ganz viel Empathie die richtigen Emotionen aufs Papier zu bannen und so zu transportieren. Trotz der Kürze des Romans durchlebte ich sämtliche Gefühle, die einen Menschen so ergreifen kann - von Grusel über Zorn und Heiterkeit bis hin zu Enttäuschung, Trauer und Liebe. Ich wollte die Figuren und auch die Umgebung mit dieser schönen wenngleich auch traurigen Geschichte nicht mehr gehen lassen. Dabei ist es erschreckend, mit zu erleben, wie schnell so ein Jahr herum gehen kann - und das auf circa geschriebenen 200 Seiten. Auf einmal hat sich das Leben eines jeden Protagonisten um 180°C gedreht und somit verändern sich auch die Gedanken und Ideen rasend schnell. "Hannes" besteht aus etlichen Briefen, die direkt aus dem alltäglichen Wahnsinn sprechen und den Leser mitten ins Herz treffen. Mit Ulis einzigartiger Art nimmt er uns mit auf seine eigene kleine Reise. Dabei besucht er mit uns gemeinsam den Hannes.. er entdeckt, dass das Leben - egal wohin auch immer - weitergeht.. und während wir mit ihm fühlen nimmt er von dem ein oder anderen Menschen auch Abschied. Dabei besticht er mit einer gehörigen Portion Humor, die einen zum Lachen bringt. Besonders seine eigenwillige Schreibe hat es mir angetan. Hannes schreibt nicht nur so wie er redet, sondern er redet auch so, wie ich es niemals tun würde. Die holprige Grammatik mochte mich anfangs etwas irritieren, doch von Seite zu Seite gewann das Ganze mehr Charme und ich grinste freudig über Ulis Erzählungen. S. 49 "Habe gestern den ganzen Nachmittag tatsächlich geputzt und aufgeräumt. Habe Gegenstände gefunden, die ich lange vermisst hab, deren Suche ich der Kapitulation vorzog. Nun bin ich wieder stolzer Besitzer eines Dosenöffners und muss die Dosen nicht mehr mühselig mit dem Brotmesser öffnen. Was auch bedeutet, ich muss nicht pausenlos jemandem erklären, warum meine linke Hand schon wieder eingebunden ist. Das ist sehr vorteilhaft, ganz abgesehen von den Schmerzen, die ich mir somit erspare." Ich habe mir gewünscht, selbst so einen Uli an meiner Seite zu wissen. Ich glaube, fast jeder Mensch hätte solch einen Freund verdient, der einen auch in der trostlosesten Zeit nicht alleine lässt und sich um ihn sorgt. Womit ist solch ein Geschenk des Lebens aufzuwiegen?! Dieser Roman hat mich sehr nachdenklich gestimmt. Auch jetzt, nachdem ich diese Rezension geschrieben habe und bereits ein anderes Buch in den Händen halte, denke ich noch an Uli und Hannes zurück. Ich glaube, dass sich das auch nicht so schnell ändern wird. Denn "Hannes" ist eine Geschichte mit Nachhall - sie bleibt ihren Lesern im Gedächtnis und berührt sie dort, wo man sich der fremden Welt normalerweise verschließen möchte. Mein Fazit: Lange war eine Klappentextbeschreibung schon nicht mehr so zutreffend: besonders berührend ~ 5 Sterne~ papierkruemel.blogspot.com

Frostkuss: Mythos Academy 1

Frostkuss  - Jennifer Estep Erster Satz: "Ich kenne dein Geheimnis." Inhalt: Als ein Mädchen ohne besondere Kräfte und mit knappen Portemonnaie ergeht es einem nicht leicht auf der Mythos Academy, wo die reichen und begabten Walküre, Spartaner, Römer oder Amazonen leben und lernen. So kommt sich Gwen mit ihrer lächerlichen Gipsy-Gabe richtig blöd vor. Bei einer einzigen Berührung erfährt sie nämlich Gutes und Schlechtes über den Gegenstand oder Menschen, sie sieht alle Geheimnisse und spürt die damit verbundenen Gefühle. Auf einmal scheinen sie aber doch zu etwas Nütze zu sein. Denn bei dem plötzlichen Mord eines der beliebtesten Mädchen der Schule ist aufg einmal Gwens Fähigkeit gefragt. Ohne Freunde begibt sie sich selbst auf die Suche nach dem Täter und muss langsam feststellen, dass die ganzen griechischen Mythen und Erzählungen doch alle einen wahren Kern besitzen. Und vielleicht trägt auch Gwendolyn eine größere Bedeutung in dem Kampf zwischen den Göttern und Nicht-Göttern als sie dachte. Meine Meinung: Stirnrunzelnd schlug ich das Buch auf, nachdem ich bereits tage- nein sogar wochenlang drum rum geschlichen war. Ich gebe es zu: Ich war mit Mythen, Göttern und ihren Heldensagen noch nie warm geworden. Das war früher bei König Arthus und seiner Tafelrunde nicht viel anders gewesen als später im Schulunterricht. Und nun hatte sich dieses Thema doch tatsächlich in mein Bücherregal eingeschlichen. Nun denn; ich ließ Jennifer Estep ihre Geschichte erzählen. Allein mit dem Namen der Protagonistin konnte hier bei mir schon gepunktet werden, schließlich trug sie den gleichen wie die Heldin aus Kerstin Giers unglaublicher Edelstein-Trilogie: Gwendolyn. Wenn das mal kein wohlklingender Name war! Und sie war mir auch durchaus sympathisch. So tollpatschig und wenig umsichtig wie ich. Im krassen Gegensatz zu den Kriegern an ihrer Academy ist ihre Familie, sprich ihre Großmutter (größer ist ihre Familie nämlich nicht) knapp bei kasse. Ich fand es sehr amüsant endlich mal wieder keiner reichen und verzogenen Göre gegenüber zustehen, die achso sehr auf ihren Traumprinzen auf dem weißen Ross wartete. Nein, hier hatte ich eine charakterstarke und vorallem ehrliche Persönlichkeit vor mir. Gwen lachte mit mir zusammen über den verschwenderischen Snobismus von den Schönen und Reichen. Eine fehlende Freundschaft zu irgendwem machte Gwens Situation noch tragischer. Sie wurde realistisch gezeichnet und dennoch ging sie mir immer wieder mal gehörig auf die Nerven. Nicht dass sie in grundlose Heulkrämpfe ausgebrochen wäre (da hatte sie eine gehörige Portion Rückgrad - super!), sondern Gwen schien alle paar Seiten die unendliche Liebe zu ihrer verstorbenen Mutter betonen und erwähnen zu müssen, wie hart ihr Schicksal doch sei. Ich kann Selbstmitleid nicht ausstehen, besonders nicht bei literarischen Figuren. S. 372 Die Leute, die einen lieben, sterben nie wirklich - nicht, solange man die Erinnerung lebendig hält und sie im Herzen trägt. Dieser Zug missfiel mir ungemein. Ab dem Zeitpunkt wurde ich auch immer strittiger mit der laufenden Handlung. Auf keinen Fall kann man hier von Langeweile sprechen - Jennifer Estep schafft es gekonnt kontinuierlich die Spannung oben zu halten. In jedem der 26 Kapitel geschieht eine bedeutungsschwere Wendung oder ein dunkles Geheimnis wird plötzlich gelüftet. Etwas, das ich euch sicher ruhig erzählen kann und ohnehin kein großes Mysterium, aber eine wie ich finde sehr schöne Wende war... Daphne erscheint bereits im ersten Kapitel als die schreckliche und unangenehme Tussi schlechthin! Im Laufe der Geschichte finden Daphne und Gwendolyn immer mehr zueinander. Doch das liegt nicht daran, dass Daphne ihren "zickigen" Charakter abgelegt hätte. Gwen merkt, dass sie sich wohl mit den unterschiedlichen Facetten der Menschen arrangieren muss, wenn sie weiterhin soziale Kontakte zur Außenwelt pflegen möchte. Das ist, wie ich finde, eine sehr wichtige Erkenntnis des Buches, die meiner Meinung nach leider viel zu wenig hervorgehoben wird (vielleicht weil sich Autorin und Verlag selbst nicht genug im Klaren darüber waren?). Für mich persönlich zog ich noch einen anderen Schluss aus der Lektüre: Hinterfrage anstatt auf das zu vertrauen, was andere dich sehen lassen wollen! Denn auf dieses Thema spielt zumindest das Abenteuer aus dem ersten Band um Gwen Frost an. Gwen ist eine Figur mit Standfestigkeit und viel Realismus, ebenso die von Estep entworfene Umgebung. Aber bei der Konstruierung der Geschichte an sich, sprich der Handlung, fehlte es mir manches Mal an Verständnis. Zu oft kamen mir beim Lesen meine eigenen Gedanken in die Quere, die mir einflüsterten, dass die Handlung bitte logischer sei, dass unsere Heldin jetzt bitte nicht einfach schwupps den Schlüssel zum Erfolg finden und wie auf magische Art und Weise überleben soll, und dass es bitte dafür einen Grund geben möge, dass Logan ganz zufällig vorbeikommt, und sie rettet - mal ebenso, aus Langeweile, und das nun schon zum zweiten Mal... Ein Hoch dafür auf das Paar, das für mich nicht zusammen gehört - Gwen und Logan - sie wollen sich, dann haben sie sich oder wieder nicht mehr und am Ende wissen sie gar nicht, was sie eigentlich wirklich wollen! Süß.. Mein Fazit: Ich bin gespannt auf den im August erscheinenden zweiten Teil - und möchte mich von ihm überzeugen lassen. Daher erst einmal ~ 3 Sterne ~ papierkruemel.blogspot.com

Der Duft von Erde und Zitronen: Roman

Der Duft von Erde und Zitronen: Roman - Margherita Oggero Erster Satz: Die Extante ist weder gut noch böse, sie ist vorallem unzufrieden, und manchmal regt sie sich auf. Inhalt: Ein Mädchen in einem Versteck - ein Fenster in die Welt - ein Buch, mit dem das Leben beginnt. Wie eine Gefangene lebt Imma in der Wohnung ihrer Tante im Norden Italiens, weit weg von ihrem Heimatdorf bei Neapel. Die Dreizehnjährige ist in großer Gefahr und muss sich verstecken. Doch ihr Wunsch nach Freiheit wird immer größer, bis sie sich schließlich stundenweise hinausschleichen kann und den jungen Buchhändler Paolo kennen lernt. Seine Bücher eröffnen Imma eine neue Welt und geben ihr den Mut, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. (Klappentext) Meine Meinung: Die Geschichte verlief ganz anders als ich erwartet hatte. Um euch das eindrückich zu machen, habe ich dieses Mal statt - wie sonst - einer eigenen Inhaltszusammenfassung einfach den Klappentext abgeschrieben. Nachdem ich diese Zeilen gelesen hatte, freute ich mich schon wahnsinnig auf ein neues Buch über Bücher. Meiner Meinung nach konnte man dies dem Klappentext auch sehr gut entnehmen. Schließlich hieß es da, dass das Lesen der jungen Imma die Pforte zu neuen Welten öffnen würden und sie so die dunklen Seiten in ihrem Leben besiegen könne. Leider stellte sich heraus, dass es inhaltlich eher ein Familiendrama war. Die recht kurzen Kapitel von meist nur zwei bis drei Seiten wechselten die Sichtweisen von verschiedenen Figuren ab. Als erstes erzählt Imma von sich und ihrer Situation aus der ich-Perspektive. Sämtliche andere Figuren werden personal vorgestellt und lagen mir persönlich auch nicht so sehr am Herzen wir Imma. Abgesehen von der Heimat Italien, nähe Neapel, haben die unterschiedlichen Protagonisten augenscheinlich nichts gemein. Die verschiedensten Probleme plagen sie. Entweder sorgt sich die Mutter Assunta um ihre Kinder oder die bereits erwachsenen 'Kinder' haben mit eigenen Eheproblemen zu kämpfen. Ubaldo lebt nur für seine alten Autos . Matilda ist frustriert, weil sie kein Mann will. Und Imma versucht ihrem Gefängnis zu entkommen. Die Geschichte zieht sich über viele Jahre hinweg und erzählt im Endeffekt ein großes Familiendrama. Es scheint jeder irgendwie mit jedem verwandt oder zumindest angeheiratet zu sein. Zu Beginn waren diese vielen Eindrücke in die Leben der Charaktere sehr verwirrend. Es war klar, dass sich noch irgendeine Verbindung zwischen den Personen und Ereignissen auftun würde, aber diese Konstellation, wie es nun der Fall war, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Leider hielt die Spannung in den einzelnen Kapiteln und Situationen nicht konstant an. Am meisten freute ich mich auf Immas Geschichte. Von diesen Teilen des Romans konnte man sich sicher sein, dass es in der Gegenwart spielte - alles andere wirkte ein wenig wie die dunkle Erinnerung einer Erzählung. Das Buch ist gespickt mit heftigen Schicksalsschlägen und Beschreibungen, wie die Menschen unterschiedlich damit umgehen oder es auch verdrängen. Viele Fragen bleiben am Ende des Buches noch offen und so legte ich den Roman mit gemischten Gefühlen beiseite. Ich hätte mir einen runderen Abschluss gewünscht, damit ich weiß, was genau hier endet und wie. Auf jeden Fall ist die Geschichte um Imma und ihre Familie emotional und berührte mich tief. Ich fühlte mich ertappt - jeder macht sich Sorgen und wähnt sich selbst in einer schrecklichen Situation. Aber es kann einen immer noch schlimmer erwischen und dann ist es dabei wichtig, im Auge zu behalten was und wen man noch an seiner Seite stehen hat. Für die Kleinigkeiten in der Welt sollte man zugänglich sein und sich auch daran erfreuen können. Das zeigte mir Immas Geschichte. Mein Fazit: Ich hatte zwar etwas anderes erwartet, aber enttäuscht wurde ich dennoch nicht. Daher ~ 4 Sterne ~ papierkruemel.blogspot.com

Das Skript

Das Skript - Arno Strobel Erster Satz: Sie war nackt und sie fror erbärmlich. Inhalt: Bei .. taucht ein kurioses Päckchen auf. Es enthält einen Keilrahmen auf den eine Haut gespannt ist und darauf steht der Buchtitel: Der Leser. Den Ermittlern Herrn Erdmann und Frau Matthiessen ist schnell klar, dass es sich um Menschenhaut handelt und es nicht nur bei einer solchen grotesken Botschaft bleiben wird. Denn eine junge Frau ist spurlos verschwunden und scheint diejenige gewesen zu sein, der die Haut vom Rücken geschnitten worden ist. Jeden Tag werden nun ähnliche Pakete entdeckt und passend zur Tat Leichen gefunden. Nach einer exakt blutigen Romanvorlage seziert hier der Mörder seine Opfer und geht Schritt für Schritt nach den Ausführungen des Autors vor. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt für die Beamten, denn im Buch starben viele Frauen. Meine Meinung: Das Cover sieht nun wirklich nicht sehr vielversprechend auf, doch nach kurzer Lektüre stellt sich alsbald heraus, dass es eine tiefere Bedeutung ins sich trägt, als gedacht. Die Spannung wird auf der ersten Seite aufgebaut und bleibt stetig erhalten. Es gab kein Kapitel beim Lesen, bei dem ich das Buch freiwillig aus der Hand gelegt hätte. Mit dem ersten Buch, das ich nun von Arno Strobel gelesen habe, hat er mich mit seiner Sprachgewandheit sofort in die Fänge einer doppelbödigen Geschichte genommen. Die schriftstellerischen Fähigkeiten haben mich hier sehr überzeugt. Strobel schafft es, nicht nur eine abgebrühte Geschichte aufs Papier zu bringen. Er haucht seinen Figuren das nötige Leben ein, damit sie nicht wie Puppen an Fäden gesteuert umher laufen, sondern eigenständige Charaktere sind und für sich selbst Verantwortung zeigen. Die Protagonisten haben es mir angetan. Zum einen ist da die überkorrekte Frau Matthiessen, über die lediglich von Herrn Erdmann berichtet wird. So findet der Leser auch die Vergangenheit um diese interessante Persönlichkeit heraus, da ihr Partner in diesem Fall zum ersten Mal mit ihr ermittelt. Letzterer wird was die Eigenheiten angeht nicht ganz so genau beschrieben. Dafür erfährt man sofort, was in seinem Denkerhirn vor sich geht und wie er die gehörten Aussagen der verschiedenen Menschen beurteilt. Selten bekommt man beim Lesen so tiefe Einblicke in die Psyche und somit in die Denkweise der Figuren. Meistens liegt es daran, dass sich die Autoren entweder selbst zu wenig mit ihren Protagonisten auseinander gesetzt haben. Besonders spannend empfand ich bei "Das Skript" auch die Idee der Handlung an sich. Schließlich dreht sich alles um eine Mordserie, bei der der Täter einen veröffentlichten Thriller exakt kopiert. Und dann geht es in besagtem Thriller auch noch darum, dass auf die Hautfetzen junger Frauen Textausschnitte eines Buches veröffentlicht wurde, um die Geschichte an die Öffentlichkeit zu bringen. Wenn das mal nicht nach einer kreativen Idee nach der anderen schreit! Auf etwa 400 Seiuten fiebert man mit den Kommissaren regelrecht mit und ich selbst merkte, wie ich Figuren verdächtigte, die Idee beim nächsten Dialog wieder verworf und nur noch verwirrter wurde. Es bleibt wirklich bis zum Ende spannend und wird dabei nicht zu eklig detailreich - was die Verstümmerlungen der Frauen an geht. (Letztere Beschreibungen fand ich im Übrigen am aufregendsten und ich wollte schon fast zu den Kapiteln springen, in denen es um die Opfer ging.) Schreibstil und Plot harmonieren bei "Das Skript" sehr gut und lassen keine Zweifel aufkommen, dass dieses Buch-Projekt nur als 'gelungen' gewertet werden kann. Mein Fazit: Absolut nervenaufreibend und doppelbödig. Es macht einfach Spaß mit den Figuren zu ermitteln! Dafür ~ 5 Sterne ~

BZRK

BZRK - Michael Grant Erster Satz: Nur drei Plätze von Noah entfernt saß ein Mädchen, das mit seiner Hand redete. Inhalt: Die Welt wird von Terroranschlägen regiert und so von einer Macht zur anderen gependelt. Doch die Anschläge verlaufen nicht draußen auf dem Feld mit blutenden Soldaten als Opfern. Die Leiden, die diese Kriege zurück lassen, sind ganz anderer Natur. Irrsinn, Verstörtheit, Wahn. Es tobt eine neue Art von Krieg. Und zwar tief im Fleisch. Die Wissenschaft hat Nano-Organismen entwickelt, die in die Körper der Gegner eindringen. Eingeweihte und unschuldige Jugendliche steuern die biologischen Roboter zwischen die Gehirnwindungen der verhassten Feinde. Dort werden Erinnerungen, Gedanken und Gefühle gepflanzt. Das System Mensch wird manipuliert und die Zahnrädchen so gedreht, wie es der Welt gerade nützt oder schadet. Noah und Sadie wissen von all dem nichts. Genau so wie Rest der Menschheit. Doch Noah möchte das Geheimnis um die Geisteskrankheit seines älteren Bruders lüften und stößft dabei auf eine geheime Organisation. Sadie hingegen wuchs in reichen Verhältnissen auf. Als bei einem Attentat ihre gesamte Familie ums Leben kommt, ist sie die letzte, die überlebt hat. Sie wird gefunden und hat bei dem Projekt mitzumachen. Eine Wahl haben Noah und Sadie gar nicht. Kurzerhand werden sie zu improvisierten Twitchern ausgebildet, denn die Zeit drängt. Die große Katastrophe ist bereits in Sicht. Und sie versteckt sich hinter eine Spielzeug-Firma. Meine Meinung: Das äußere Erscheinungsbild war für mich definitiv keine Basis für eine Entscheidung. Viele erzählen ja schließlich immer wieder von sogenannten Cover-Käufen. Davon kann man hier nicht reden. Aber etwas anderes, interessanteres übte einen solchen Reiz auf mich aus, dass ich meinte, dieses Buch besitzen zu müssen. Es war der Klappentext. Und zwar werden da ganz knapp die Ausgangssituationen einzelner Charaktere widergegeben. Zugegeben, weniger aussagekräftig hätte der Text gar nicht sein können. Aber inhaltlich faszinierte mich das Thema sehr und erschien mir endlich mal wieder ein ganz neues Thema besonders im Bereich der Dystopien zu sein. Es zeigt, wozu eine harmlose Technik imstande ist, wenn sie in die falschen Hände gerät. Man hat angefangen zu lesen und BAM! fliegen einem die ersten Flugzeugsplitter entgegen. Das Blut spritzt und eine giftige Kerosinflamme verspeist alles um einen herum. Man ist mitten in der Szenerie der Geschichte gefangen. Man kommt auch nicht so schnell wieder da raus, denn Michael Grant lässt einem kaum Zeit, sich von diesen eindrücklichen Bildern zu erholen. Seine im Dialog so schmucklose und lakonische Sprache ist, wenn es um die Beschreibungen der sogenannten Nano-Ebene geht (also ganz tief im Fleisch), allzu detailreich und päsentiert einem die Schrecklichkeit sehr bildlich. Manches Mal habe ich mich geekelt, weil ich einfach nicht umhin kam, mir vorzustellen, wie es sein möge, anstelle der Protagonisten zu sein. Nicht immer war es so einfach, sich in die Figuren hinein zuversetzen. Denn Grant wechselt ständig die Perspektive und springt zwischen den Charakteren vor und zurück. Zwar beschreibt er dann sehr eindringlich scheinbar belanglose Geschehnisse, doch verweilt er dennoch nicht lang genug an diesem Punkt, damit man sich wieder mit der Person auseinandersetzen und bekannt machen kann. Dadurch hatte ich streckenweise das Gefühl, dass die Geschichte nur so dahin schlich, während viel zu viel Wert auf das Alltagsgeschehen jeder einzelnen Figur gelegt wurde. Die Geschichte an sich war also sehr stark und hatte was zu bieten. Nur leider bin ich der Meinung, dass Grants Eindrücke der biologischen Ebene, die er dem Leser vermitteln möchte, zu tief in die Marterie gehen. Ohne Zweifel zeigt das seinen Einfallsreichtum sowohl was die Fantastik als auch die Realität an geht. Aber ich hätte mir kontinuierlich einen geraderen Blick auf die Handlung und somit den roten Faden gewünscht. Ich weiß nicht, wie das in den weiteren Teilen der Trilogie wird. Mein Fazit: Beklemmendes Zukunfsszenario mit harten Worten und viel Intelligenz. ~ 3 Sterne ~ weil ich mir von der Umsetzung des Themas mehr erhofft hätte.

Die fabelhafte Welt der Harriet Rose: Roman

Die fabelhafte Welt der Harriet Rose - Diana Janney Erster Satz: "Dieses Jahr will ich keine Geburtstagsgeschenke - spendet das Geld lieber für einen wohltätigen Zweck." Inhalt: Warum, wo, weshalb, wieso und wo? In Harriets Kopf geistern viele Fragen umher und einige bereits seit 14 Jahren, denn seit sie denken kann, tut sie es auch. Sie denkt und fragt und frübelt. Wieso muss sich der Tod ausgerechnet ihren liebenden Familienvater mitnehmen? Warum ist Charlotte nur so begriffsstutzig? Muss man wissen, was man will, um etwas im Leben zu erreichen? Und wie um Gottes Willen bleibt man "ich selbst"? Harriet sammelt Fragen und sucht Antworten und die Gedanken dazwischen hebt sie sorgsam in einem kleinem Büchlein für sich selbst auf. Diese Texte nennt sie Meditationen. Und plötzlich gehören sie nicht mehr ihr selbst. Ihre Mutter hat gemeinsam mit Harriets Großmutter das kleine Werk veröffentlich. Und überraschenderweise schlägt es ein. Es reißt mit. Die Menschen wollen wissen, wer dahinter steckt. Was hat dieses Mädchen, was andere 14jährige Jugendliche nicht haben?! Meine Meinung: Dieses Buch ist keine Neuheit. Das meine ich aber gar nicht mal böse, denn meine Aussage bezieht sich keineswegs auf die Idee, die dahinter steckt. Ich spiele darauf an, dass es sich hierbei lediglich um eine Neuauflage handelt. Denn bereits 2010 brachte der Limes-Verlag das Buch mit einer ganz anderen - und wie ich finde nicht ganz so schönen - Covergestaltung heraus (siehe links). Und selbst der Titel ist nicht neu. Denn wer kennt nicht den herrlichen Film mit Audrey Tautou "Die fabelhafte Welt der Amelié" ? Auch ich habe mich daran erinnert gefühlt und war gespannt worum es gehen würden. Wenn man einen billigen Abklatsch befürchtet, aber auch wenn man eine ebenso phantastische Liebesgeschichte erwartet, wird man eines besseren belehrt. Ja, der Titel ist in der Hinsicht vielleicht etwas ungünstig gewählt, tut dem Ganzen aber keinen Abbruch. Denn die Geschichte steht für sich und zwar ziemlich standfest. Genauso wie deren Protagonistin Harriet Rose. Eigentlich ist sie ein recht ruhiges und zurückhaltendes Mädchen, lebt für sich in einer großen Gedankenblase. Doch mit der Veröffentlichung ihrer Meditationen beginnt für sie der Trubel in der Öffentlichkeit. Von Seite zu Seite erlebt man mit, wie sie anspruchsvoller und fast schon hochnäsig wird. Einigen mag das säuerlich aufstoßen, aber mir gefällt diese langsame Entwicklung ganz fabelhaft. Die Autorin ist ehrlich und zeigt die unschöne Seite des Erfolges und Ruhmes. Und selbst Harriet muss feststellen, dass sie früher noch anders über Auswirkungen von Ansehen gedacht hat. Nun ist es ihr wichtig, dass der Hubschrauber, in dem sie mit ihrer Familie in den Urlaub fliegt, auch ja von ihrem Gesicht und dem Schriftzug Harriet Rose geziert wird. Ja, die Realität um das junge Mädchen herum scheint sich zu verzerren. Aber ich empfinde die Veränderung ihrer Persönlichkeit als durchaus realistisch, wenngleich auch nicht erstrebenswert. Dies ist nur eine Komponente, die "Die fabelhafte Welt der Harriet Rose" zu dem macht, was es ist: ein kleines Stück kostbares Gedankengut. Eine gute Portion Humor und die natürliche Naivität unserer 14jährigen tragen natürlich auch dazu bei. Die Familie ist für Harriet ein großes Thema und auch mit der Liebe muss sie sich zum ersten Mal auseinander setzen. Man merkt, dass Diana Janney durch das geschriebene Wort ihrer Figur aus der ich-Perspektive eine unglaubliche Nähe zu dieser heraufbeschwört. Man ist mitten im Trott ihres Lebens, das gerade dabei ist, sich auf wundersame Weise zu verändern. Intelligente Impulse reihen sich an kindliche Ansichten und bilden so helle Kontraste, die ein großes Ganzes ergeben. Am besten haben mir persönlich natürlich die Auszüge und Rezitationen aus Harriets eigenen Meditationen gefallen. Nicht altklug, sondern nachdenklich wirken sie auf einen und regen manches Mal zum Überlegen an. Viele kleine philosophischen Gedankengänge erschienen auch mitten in der Geschichte aus dem Zusammenhang heraus und befindlich nur für diese eine Situation. Erst bei der Lektüre dieses Buches fällt auf, wieviel geistreiche Ideen einem auf den Tag verteilt in den Sinn kommen. Aber man selbst hat im alltäglichen Geschehen kaum noch Zeit und Muße dem nachzugehen und sich dadurch mit vielleicht augenscheinlich banalen Fragen auseinander zu setzen. Dies musste ich mir am Ende leider selbst eingestehen. Ich bin froh, dieses hübsche Buch gelesen zu haben, so nehme ich meine Umwelt wieder viel schärfer und aus einem anderen Blickwinkel wahr. Mein Fazit: Dieses wirklich schöne Buch betrachtet die Welt aus naiven Augen und weiß sämtliche Gedanken und Fragen zu sammeln, um uns auf die Suche nach den Antworten zu schicken. Eine bezaubernde Aufgabe kann eine Geschichte gar nicht erteilen, daher ~ 5 Sterne ~